{"id":41840,"date":"2026-10-20T15:36:12","date_gmt":"2026-10-20T14:36:12","guid":{"rendered":"https:\/\/sscb-stembiotech.ch\/?p=41840"},"modified":"2026-10-20T15:36:12","modified_gmt":"2026-10-20T14:36:12","slug":"zellalterung-von-80-auf-20-jahre-im-labor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sscb-stembiotech.ch\/de\/news\/zellalterung-von-80-auf-20-jahre-im-labor\/","title":{"rendered":"Zellalterung: Von 80 auf 20 Jahre im Labor"},"content":{"rendered":"<p>L\u00e4sst sich die <strong>Zellalterung<\/strong> zur\u00fcckdrehen? Im Labor zumindest teilweise, ja. Eine neue Studie der Universit\u00e4t Bonn hat Blutzellen einer 80-j\u00e4hrigen Person auf ein biologisches Alter von unter 20 Jahren zur\u00fcckgesetzt.<\/p>\n<p>Das Ergebnis hilft zu verstehen, wie Zellen altern. Und es zeigt auch, was die Zeit f\u00fcr immer festschreibt: ein Thema, das alle direkt betrifft, die sich entscheiden, die Zellen ihres Kindes bei der Geburt einlagern zu lassen.<\/p>\n<h2>Was die Studie der Universit\u00e4t Bonn zeigt<\/h2>\n<p>Die Gruppe um Oliver Br\u00fcstle vom Universit\u00e4tsklinikum Bonn hat die Studie gemeinsam mit der RWTH Aachen in <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1111\/acel.70751\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Aging Cell<\/a> ver\u00f6ffentlicht (Berg et al., 2026). Die Ergebnisse wurden in einer <a href=\"https:\/\/www.uni-bonn.de\/de\/neues\/211-2026\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Medienmitteilung der Universit\u00e4t Bonn<\/a> vorgestellt.<\/p>\n<p>Die Forschenden entnahmen Blutzellen von Spenderinnen und Spendern jeden Alters, von Neugeborenen bis zu \u00e4lteren Menschen. Anschliessend wandelten sie diese direkt in neurale Stammzellen um, aus denen Nervenzellen entstehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Umwandlung sank das biologische Alter der Zellen deutlich: Bei einer 80-j\u00e4hrigen Person erreichten die Zellen ein molekulares Alter von unter 20 Jahren. Laut der Studie blieben in den fr\u00fchen Kulturphasen rund 13 % des Spenderalters erhalten, in den sp\u00e4teren rund 5 %.<\/p>\n<p>Der Prozess verlief langsam und liess sich \u00fcber mehr als 100 Tage beobachten. Deshalb, so die Autorinnen und Autoren, eignet er sich gut als Modell, um die Zellalterung zu untersuchen \u2013 und die Substanzen, die sie beschleunigen oder verlangsamen.<\/p>\n<h2>Zellalterung: Was die epigenetische Uhr misst<\/h2>\n<p>Das biologische Alter einer Zelle wird mit epigenetischen Uhren gemessen. Sie lesen kleine chemische Markierungen, die sich im Lauf der Zeit auf der DNA ansammeln und bestimmen, welche Gene abgelesen werden.<\/p>\n<p>Diese Markierungen ver\u00e4ndern die DNA-Sequenz nicht, also die \u00abBuchstaben\u00bb des genetischen Codes. Deshalb kann die Reprogrammierung sie neu schreiben. Das geschieht auch, wenn Zellen in iPS-Zellen umgewandelt werden, also in pluripotente Zellen, aus denen sich fast jeder Zelltyp gewinnen l\u00e4sst: Auf diesem Weg war die Verj\u00fcngung bereits bekannt, und sie verl\u00e4uft schnell.<\/p>\n<p>F\u00fcr Br\u00fcstle ist das Thema zentral f\u00fcr die Neurowissenschaften, denn das Alter ist der wichtigste Risikofaktor f\u00fcr neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer.<\/p>\n<h2>Was die Zeit nicht l\u00f6scht: DNA-Mutationen<\/h2>\n<p>Die Zellalterung hinterl\u00e4sst nicht nur epigenetische Spuren. Mit den Jahren sammelt die DNA auch Mutationen an, kleine Fehler in der Sequenz, und die Reprogrammierung korrigiert sie nicht.<\/p>\n<p>Blutstammzellen erwerben ab der Geburt im Durchschnitt rund 17 neue Mutationen pro Jahr (<a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/35650442\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mitchell et al., Nature 2022<\/a>). Und reprogrammierte Zellen behalten sie: iPS-Zellen aus dem Blut von Spenderinnen und Spendern Ende 80 wiesen in den codierenden Genen etwa doppelt so viele Mutationen auf wie jene von Zwanzigj\u00e4hrigen (<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1038\/nbt.3749\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Lo Sardo et al., Nature Biotechnology 2017<\/a>).<\/p>\n<p>Kurz gesagt: Die Reprogrammierung dreht die Uhr zur\u00fcck, nicht die DNA.<\/p>\n<h2>Warum bei der Geburt gewonnene Zellen ein einzigartiger Ausgangspunkt sind<\/h2>\n<p>Wenn sich Mutationen mit den Jahren ansammeln, hatten die bei der Geburt gewonnenen Zellen am wenigsten Zeit daf\u00fcr. Das ist einer der Gr\u00fcnde, weshalb die Forschung <a href=\"https:\/\/sscb-stembiotech.ch\/de\/stammzellen\/stammzellen-aus-der-nabelschnur\/\">Nabelschnurblut<\/a> auch als Quelle f\u00fcr die Reprogrammierung betrachtet.<\/p>\n<p>Zellen aus Nabelschnurblut lassen sich zu iPS-Zellen reprogrammieren, sogar mit nur zwei Faktoren (<a href=\"https:\/\/hpscreg.eu\/browse\/publication\/232\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Giorgetti et al., Nature Protocols 2010<\/a>). In einer <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC3613421\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">2013 in PLoS ONE ver\u00f6ffentlichten Studie<\/a> wiesen iPS-Zellen aus Nabelschnurblut im Durchschnitt rund eine Mutation in codierenden Genen pro Zelllinie auf. Die Autorinnen und Autoren bezeichneten Nabelschnurblut als ideale Quelle f\u00fcr iPS-Zell-Banken.<\/p>\n<p>Es handelt sich um Bereiche der Forschung und der klinischen Studien, noch nicht um therapeutische Standardpraxis. Sie erkl\u00e4ren aber, warum die Zellalterung den Moment der Geburt so wertvoll macht: Es ist die einzige Gelegenheit, so junge Zellen einzulagern.<\/p>\n<p>Mit <a href=\"https:\/\/sscb-stembiotech.ch\/de\/mybabycells\/\">MyBabyCells<\/a> lagert SSCB Nabelschnurblut in der Schweiz ein, in einer Biobank mit <a href=\"https:\/\/sscb-stembiotech.ch\/de\/zertifizierungen\/\">FACT-NetCord-Akkreditierung und GMP-Zertifizierung<\/a>. F\u00fcr Erwachsene lagert SSCB <a href=\"https:\/\/sscb-stembiotech.ch\/de\/stammzellen\/mononukleaere-zellen-des-peripheren-blutes-pbmc\/\">mononukle\u00e4re Zellen des peripheren Blutes (PBMC)<\/a> mit dem Angebot MyCells von EternaCell ein.<\/p>\n<p><strong>M\u00f6chten Sie wissen, wie Sie die Zellen Ihres Kindes bei der Geburt einlagern k\u00f6nnen? <\/strong><a href=\"https:\/\/sscb-stembiotech.ch\/de\/mybabycells\/\">Entdecken Sie MyBabyCells<\/a> oder <a href=\"https:\/\/sscb-stembiotech.ch\/de\/kontakt\/\">kontaktieren Sie uns<\/a>.<\/p>\n<h2>FAQ<\/h2>\n<p><strong>Was ist Zellalterung?<\/strong><\/p>\n<p>Zellalterung umfasst alle Ver\u00e4nderungen, die die Zeit in den Zellen hinterl\u00e4sst. Ein Teil betrifft epigenetische Markierungen, die steuern, welche Gene abgelesen werden. Ein anderer Teil sind Mutationen, die sich in der DNA-Sequenz ansammeln.<\/p>\n<p><strong>L\u00e4sst sich die Zellalterung umkehren?<\/strong><\/p>\n<p>Im Labor teilweise ja: Die Reprogrammierung schreibt die epigenetischen Markierungen neu und setzt das biologische Alter der Zellen zur\u00fcck. Die Mutationen der DNA bleiben jedoch bestehen. Die Bonner Studie betrifft Zellen im Reagenzglas, nicht Menschen.<\/p>\n<p><strong>Was ist die epigenetische Uhr?<\/strong><\/p>\n<p>Eine Methode, die das biologische Alter einer Zelle sch\u00e4tzt, indem sie die chemischen Markierungen auf ihrer DNA ausliest. Das Ergebnis kann vom chronologischen Alter abweichen.<\/p>\n<p><strong>Warum macht die Zellalterung den Moment der Geburt so wichtig?<\/strong><\/p>\n<p>Weil Zellen, die bei der Geburt gewonnen werden, etwa aus dem Nabelschnurblut, weniger Zeit hatten, Mutationen anzusammeln. Deshalb gelten sie in der Forschung als guter Ausgangspunkt f\u00fcr die Reprogrammierung.<\/p>\n<p><strong>Kann Nabelschnurblut zu iPS-Zellen werden?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, im Labor lassen sich Zellen aus Nabelschnurblut zu iPS-Zellen reprogrammieren. Es ist ein Forschungsgebiet: Therapien auf Basis von iPS-Zellen werden noch in klinischen Studien gepr\u00fcft.<\/p>\n<p><strong>H\u00e4ngt die Zellalterung nur vom Alter ab?<\/strong><\/p>\n<p>Das Alter ist der wichtigste Faktor. Die Forschung untersucht aber auch, welche Substanzen und Bedingungen die Altersspuren in den Zellen beschleunigen oder verlangsamen. Genau daf\u00fcr wurde das Bonner Modell entwickelt.<\/p>\n<h2>Quellen<\/h2>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1111\/acel.70751\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Berg L. J. et al., Protracted Fate Acquisition and Epigenetic De-Aging During Induced Neural Stem Cell Conversion of Human Blood Cells, Aging Cell 2026<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.uni-bonn.de\/de\/neues\/211-2026\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Universit\u00e4t Bonn, Forschende verwandeln alte Blut- in junge Hirnzellen, 9. Oktober 2026<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/35650442\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mitchell E. et al., Clonal dynamics of haematopoiesis across the human lifespan, Nature 2022<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1038\/nbt.3749\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Lo Sardo V. et al., Influence of donor age on induced pluripotent stem cells, Nature Biotechnology 2017<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/hpscreg.eu\/browse\/publication\/232\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Giorgetti A. et al., Generation of induced pluripotent stem cells from human cord blood cells with only two factors: Oct4 and Sox2, Nature Protocols 2010<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC3613421\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Few Single Nucleotide Variations in Exomes of Human Cord Blood Induced Pluripotent Stem Cells, PLoS ONE 2013<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>L\u00e4sst sich die Zellalterung zur\u00fcckdrehen? Im Labor zumindest teilweise, ja. Eine neue Studie der Universit\u00e4t Bonn hat Blutzellen einer 80-j\u00e4hrigen Person auf ein biologisches Alter von unter 20 Jahren zur\u00fcckgesetzt. Das Ergebnis hilft zu verstehen, wie Zellen altern. Und es zeigt auch, was die Zeit f\u00fcr immer festschreibt: ein Thema, das alle direkt betrifft, die [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":248,"featured_media":41831,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"rank_math_lock_modified_date":false,"footnotes":""},"categories":[204,103,96],"tags":[],"class_list":["post-41840","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-news","category-stammzallen-de","category-therapeutische-perspektiven"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sscb-stembiotech.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/41840"}],"collection":[{"href":"https:\/\/sscb-stembiotech.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sscb-stembiotech.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sscb-stembiotech.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/248"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sscb-stembiotech.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=41840"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/sscb-stembiotech.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/41840\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":41843,"href":"https:\/\/sscb-stembiotech.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/41840\/revisions\/41843"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sscb-stembiotech.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/41831"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sscb-stembiotech.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=41840"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sscb-stembiotech.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=41840"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sscb-stembiotech.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=41840"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}