Schäden am Kniegelenkknorpel sind ein schwieriges klinisches Problem, da dieses Gewebe sich nicht von selbst reparieren kann. Eine Phase-I/II-Studie hat zwei Zelltherapien direkt miteinander verglichen: mesenchymale Stammzellen aus der Nabelschnur und das körpereigene Knochenmarkaspirat-Konzentrat des Patienten. Die mit Nabelschnurzellen behandelte Gruppe berichtete über eine frühere Schmerzlinderung und bessere Funktionswerte nach 6 und 12 Monaten.
Warum Kniegelenkknorpel nicht heilt
Der Gelenkknorpel hat eine Eigenschaft, die ihn zu einem komplexen orthopädischen Problem macht: Er besitzt keine Blutgefässe. Ohne direkte Gefässversorgung ist seine Fähigkeit zur Selbstregeneration sehr begrenzt.
Eine Verletzung, die in einem anderen Gewebe spontan verheilen würde, neigt im Kniegelenkknorpel stattdessen dazu, fortzubestehen und sich auszudehnen. Mit der Zeit entwickelt sie sich zu Arthrose und in fortgeschrittenen Fällen zum Gelenkersatz.
Zelltherapien sind in dieses Szenario eingetreten, weil sie genau darauf abzielen, das Gewebe wiederaufzubauen, statt lediglich den Schmerz zu behandeln. Mehr dazu allgemein in unserem Beitrag zu regenerativer Medizin und perinatalen Stammzellen.
Die Studie: ein direkter Vergleich
Die Forschung, gegliedert in eine Machbarkeitsstudie der Phase I und eine randomisierte, kontrollierte Phase-II-Studie, verglich zwei Ansätze:
- UC-MSC — mesenchymale Stammzellen aus Nabelschnurgewebe (Produkt Chondrocell-EX), verabreicht als einzelne intra-artikuläre Injektion von 25–30 Millionen Zellen in Kombination mit Hyaluronsäure;
- BMAC — Knochenmarkaspirat-Konzentrat, also Zellen, die dem Knochenmark desselben Patienten entnommen wurden, kombiniert mit einem Scaffold (Trägergerüst).
Der prozedurale Unterschied zählt genauso viel wie der biologische. Die intra-artikuläre Injektion ist ein ambulanter Eingriff; die Entnahme von Knochenmark erfordert hingegen einen zusätzlichen Eingriff am Patienten, mit dem damit verbundenen Zeitaufwand und Unannehmlichkeiten.
Die klinischen Ergebnisse zum Kniegelenkknorpel
Der Schmerz nimmt früher ab. Mit UC-MSC behandelte Patienten berichteten bereits einen Monat nach der Behandlung von einer signifikanten Schmerzreduktion. In der BMAC-Gruppe trat die signifikante Verbesserung erst nach drei Monaten ein.
Die Funktionsfähigkeit ist mittelfristig besser. Die Werte für körperliche Funktion, Gelenksteifigkeit und Lebensqualität waren in der Nabelschnurzell-Gruppe nach 6 und 12 Monaten höher.
Es wirkt auch in schwierigen Fällen. Nabelschnur-Stammzellen zeigten auch bei älteren Patienten und bei ausgedehnteren, schwereren Knorpelschäden gute Ergebnisse — Situationen, in denen autologe Zelltherapien bei Erwachsenen typischerweise weniger effektiv sind.
Nicht nur Symptome: die Qualität des regenerierten Gewebes
Der vielleicht interessanteste Befund betrifft nicht den Schmerz, sondern die Struktur des wiederaufgebauten Gewebes.
Histologische und arthroskopische Analysen dokumentierten die Bildung von hyalinem Knorpel — also des funktionell voll leistungsfähigen Knorpelgewebes — anstelle des Faserknorpels, der bei vielen anderen reparativen Ansätzen typischerweise entsteht.
Diese Unterscheidung ist alles andere als akademisch. Faserknorpel besitzt geringere mechanische Eigenschaften und baut sich unter Belastung schneller ab: hyalinen Knorpel zu erreichen bedeutet, auf eine dauerhafte Reparatur zu setzen, nicht auf eine vorübergehende Linderung.
Warum «jüngere» Zellen mehr leisten
Die Autoren führen den beobachteten Vorteil auf die Herkunft der Zellen selbst zurück.
Mesenchymale Zellen aus der Nabelschnur stammen aus gesundem perinatalem Gewebe: Sie haben keine altersbedingten Schäden, keine Umweltbelastungen und keine Vorerkrankungen angesammelt. Zellen, die einem erwachsenen Patienten entnommen werden, gehören dagegen oft derselben Person an, die an einer degenerativen Erkrankung leidet — und tragen deren Spuren.
Hinzu kommen eine höhere proliferative Kapazität und eine geringe Immunogenität, die die Wahrscheinlichkeit verringert, dass das Immunsystem des Empfängers die Zellen als fremd erkennt.
Sicherheit und Grenzen der Studie
Das Sicherheitsprofil erwies sich als günstig: keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse. Die anfänglich berichteten Beschwerden, überwiegend leichte Gelenkschwellungen, bildeten sich von selbst zurück.
Es bleiben jedoch die typischen Einschränkungen einer Phase-I/II-Studie: eine begrenzte Teilnehmerzahl und ein noch kurzer Beobachtungszeitraum. Um festzustellen, wie lange der Nutzen für den Kniegelenkknorpel anhält, sind mehrjährige Nachuntersuchungen erforderlich. Die derzeit laufenden Studien zu diesem Forschungsbereich sind auf ClinicalTrials.gov einsehbar.
Wichtiger Hinweis: Die beschriebenen Anwendungen gehören zum Bereich der klinischen Forschung und stellen keine zugelassenen, in der aktuellen Praxis verfügbaren Therapien dar. Keine der hier wiedergegebenen Informationen ist als medizinische Empfehlung zu verstehen. Für jede klinische Beurteilung wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt.
Warum SSCB diese Studien verfolgt
Diese Arbeit betrifft das Gewebe der Nabelschnur, nicht das Blut: zwei unterschiedliche Quellen mit Zellpopulationen und Anwendungsmöglichkeiten, die sich nicht überschneiden. Diesen Unterschied erklären wir in unserem Vergleich zwischen Blut, Nabelschnurgewebe und Plazenta.
SSCB lagert beide Quellen sowie die Plazenta und ist die einzige Schweizer Biobank mit FACT-NetCord-Akkreditierung, dem internationalen Standard speziell für Nabelschnurblutbanken. Zu den Prozessstandards haben wir einen eigenen Beitrag zu Zertifizierungen und Akkreditierungen verfasst.
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Quelle: Md Yusoff BAH, Mohamad N, Chin SP, et al. Cytopeutics umbilical cord-derived mesenchymal stem cells are associated with earlier clinical improvement compared to bone marrow aspirate concentrate with scaffold in knee cartilage injury: A Phase 1 feasibility and Phase 2 randomized controlled trial. Med J Malaysia. 2026;81(2):234-245.
