Mesenchymale Stammzellen aus Nabelschnurgewebe wurden in einer Studie unter realen klinischen Praxisbedingungen untersucht, die 120 Patientinnen und Patienten mit Lupusnephritis über zwölf Monate begleitete, die auf die konventionelle Therapie nicht ansprachen. Zwölf Monate nach der Infusion zeigten 56,7 % ein positives renales Ansprechen.
Der Hintergrund: eine Autoimmunerkrankung, die die Nieren angreift
Der systemische Lupus erythematodes (SLE) ist eine Autoimmunerkrankung: Das Immunsystem erkennt körpereigene Strukturen nicht mehr als eigen und greift sie an. Richtet sich der Angriff gegen die Nieren, spricht man von Lupusnephritis – einem Entzündungsprozess, der unbehandelt zu chronischem Nierenversagen führen kann.
Die Standardtherapie besteht weiterhin aus der Kombination von Kortikosteroiden und Immunsuppressiva. Nicht alle Betroffenen sprechen jedoch darauf an: Bei den als refraktär eingestuften Formen wird das Spektrum der Alternativen deutlich enger – und genau mit dieser Gruppe hat die Studie gearbeitet.
Warum mesenchymale Stammzellen aus Nabelschnurgewebe bei einer Autoimmunerkrankung
Mesenchymale Stammzellen aus Nabelschnurgewebe (UC-MSC) wirken nicht wie ein Medikament, das gegen ein einzelnes Ziel gerichtet ist. Im Zentrum der Forschung steht die Immunmodulation: eine fehlregulierte Immunantwort wieder ins Gleichgewicht bringen, statt sie unterschiedslos zu unterdrücken. Die Zellquelle ist das Nabelschnurgewebe, eines der biologischen Materialien, die bei der Geburt eingelagert werden können. Einlagerung von Nabelschnurgewebe.
In experimentellen Studien bremsen diese Zellen die abnorme Proliferation von T- und B-Lymphozyten, senken die Produktion proinflammatorischer Zytokine und fördern die Expansion regulatorischer T-Zellen, deren Aufgabe es ist, den Entzündungsprozess zu beenden. Parallel dazu entfalten sie eine trophische Wirkung auf geschädigtes Gewebe.
Dieser Ansatz unterscheidet sich konzeptionell deutlich von der klassischen Immunsuppression – und erklärt, warum Rheumatologie und Nephrologie diese Forschungsrichtung mit wachsender Aufmerksamkeit verfolgen.
Die Studie: mesenchymale Stammzellen aus Nabelschnurgewebe bei 120 Patienten
Die Studie ist im Real-World-Design angelegt: Die Behandelten wurden im normalen Versorgungsalltag begleitet, nicht in einem streng kontrollierten Studiensetting. Ein randomisierter Kontrollarm fehlt daher – eine offen benannte methodische Einschränkung –, doch das Design bildet ab, wie sich die Therapie unter praxisnahen Bedingungen verhält.
Die Daten zwölf Monate nach der Infusion:
- Positives renales Ansprechen, vollständig oder partiell, bei 56,7 % der Behandelten.
- Deutlicher Rückgang der Proteinurie, also des Eiweissverlusts über den Urin – der direkteste Marker für eine glomeruläre Schädigung.
- Anstieg des Serumalbumins, ein ergänzender Indikator der Nierenfunktion.
- Schrittweise Reduktion der Prednison-Dosis und damit geringere Exposition gegenüber den Nebenwirkungen einer langdauernden Kortikoidtherapie.
Beim letzten Punkt lohnt das Innehalten: Bei Autoimmunerkrankungen ist die Möglichkeit, das Steroid zu reduzieren, ein eigenständiges Therapieziel und kein Nebeneffekt.
Ausgangswert der Nierenfunktion: warum der Zeitpunkt der Behandlung zählt
Das interessanteste Signal ergibt sich aus dem Vergleich nach Nierenfunktion zum Behandlungszeitpunkt. Bei Personen mit noch relativ erhaltener Funktion – eGFR ≥ 45 ml/min/1,73 m² – stieg die Ansprechrate auf 66,3 % und lag damit spürbar über dem Durchschnitt des gesamten Kollektivs.
Der Befund passt zu den Grundannahmen der regenerativen Medizin: Mesenchymale Zellen können Entzündung modulieren und Reparaturprozesse unterstützen, regenerieren aber kein bereits fibrotisch umgebautes Gewebe. Das therapeutische Fenster existiert – und es bringt mehr, solange der Organschaden noch nicht fortgeschritten ist.
Das Sicherheitsprofil der Infusionen
Im Studienverlauf erwiesen sich die Infusionen als gut verträglich: Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse, die direkt auf die Stammzellen zurückzuführen wären, wurden nicht dokumentiert. Das deckt sich mit Berichten aus anderen UC-MSC-Erfahrungen im autoimmunen Bereich.
Was die Studie nicht belegt
Ohne randomisierte Kontrollgruppe lassen sich nicht alle beobachteten Verbesserungen mit Sicherheit der Zelltherapie zuschreiben. Um das Ausmass des Effekts zu bestätigen und optimale Dosierungen und Zeitpunkte festzulegen, braucht es kontrollierte Studien im grossen Massstab.
Wichtiger Hinweis — Die beschriebenen Anwendungen gehören in den Bereich der klinischen Forschung und sind keine in der aktuellen Praxis zugelassenen Therapien. Keine der wiedergegebenen Informationen ist als medizinische Empfehlung zu verstehen.
Mesenchymale Stammzellen aus Nabelschnurgewebe: warum SSCB diese Forschung verfolgt
Die Lupusnephritis tritt im Erwachsenenalter auf, und das sollte klar gesagt werden: Die Forschung an Nabelschnur-Stammzellen betrifft nicht nur die Pädiatrie. Mesenchymale Zellen aus der Nabelschnur sind heute Gegenstand von über 300 laufenden klinischen Studien – von der Orthopädie über die Neurologie bis zu den Autoimmunerkrankungen.
SSCB lagert Nabelschnurblut, Nabelschnurgewebe – die Quelle, aus der mesenchymale Stammzellen aus Nabelschnurgewebe gewonnen werden – und Plazenta ein → «Mehr erfahren».
Quelle Zheng Y, Liu S, Zeng L, et al. Allogeneic umbilical cord-derived mesenchymal stromal cells for treatment of refractory lupus nephritis: a real-world study. Stem Cell Res Ther. 2026;17:201. doi:10.1186/s13287-026-05021-5
